Fachstelle Extremismus und Psychologie
Psychologisch-Therapeutisches Netzwerk

Aktivitäten in verschiedenen Bundesländern 2018-2019

Zwar haben wir einen Schwerpunkt in Berlin, aber wir sind 2018 und 2019 auch aus anderen Bundesländern sowohl von zivilgesellschaftlichen wie auch staatlichen Akteuren angefragt worden, um fachpsychologische Beiträge – meist zu Themen im Zusammenhang mit psychologischen Aspekten von Radikalisierung, Deradikalisierung und Rehabilitation von RückkehrerInnen - zu leisten. So konnten wir zum Gelingen diverser Tagungen beitragen. Einige dieser Aktivitäten möchten wir vorstellen:

Bayern

„Religiös begründete Radikalisierung im Kontext von Psychologie und Psychiatrie“

Im September 2018 organisierte das Bayrische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales eine Fachtagung zum Thema „Religiös begründete Radikalisierung im Kontext von Psychologie und Psychiatrie“, für die wir im Konzeptionsprozess beratend einbezogen waren und auf der wir selbst einen Workshop ausgerichtet haben. Er trug den Titel „Familiendynamiken und Radikalisierungsprozesse“ und wurde von Kerstin Sischka gemeinsam mit Stefan Postpischil (Psychoanalytiker, forensischer Psychologe, aus unserem Netzwerk) durchgeführt. Es gibt eine Dokumentation der Fachtagung, in der auch der Impulsvortrag unseres Workshops abgedruckt ist. Zu finden unter:

https://www.zbfs.bayern.de/imperia/md/content/blvf/massregelvollzug/180927_stmas_fachtag_rel_beg_radikalisierung_psychiatrie_psychologie.pdf


Hamburg

„Migration und Einwanderungsgesellschaft im Spiegel des Justizvollzugs“

Im März 2019 führte die Hamburger Justizvollzugsverwaltung in Kooperation mit der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung einen Fachtag zum Thema „Migration und Einwanderungsgesellschaft im Spiegel des Vollzugs – wie gelingt Resozialisierung?“ durch. Es fanden verschiedene Panels statt, darunter auch ein Panel mit dem Titel „Extremismus-/Prävention in Haft – ein neues Arbeitsfeld?“, zu dem unsere Fachstelle mit einem Impulsvortrag angefragt wurde. Der Vortrag kann abgerufen werden unter:

https://www.hamburg.de/justizbehoerde/justizvollzug/12486722/19-3-21-fachtagung-rede-kerstin-sischka/


Nordrhein-Westfalen

„Zurück aus dem Dschihad – was nun?“

In Nordrhein-Westfalen haben wir uns 2018 und 2019 an zwei Veranstaltungen beteiligt. Zum einen richtete das Amt für Kinder, Jugend und Familie und die Stabsstelle Integration der Stadt Bonn einen Fachtag mit dem Titel „Zurück aus dem Dschihad – was nun?“ aus. Dieser richtete sich neben pädagogischen Fachkräften aus der Kinder- und Jugendhilfe, Kitas und Schulen auch an psychologische Beratungsstellen, SchulpsychologInnen und die Integrations- und Flüchtlingsarbeit. Kerstin Sischka hat dort gemeinsam mit einem Psychologen aus unserem Netzwerk (Herr Pries) einen Workshop durchgeführt zum Thema der „Traumatisierung junger Menschen“, die im IS-Gebiet gelebt haben. Die Frage nach professionellen Handlungsmöglichkeiten wurde gemeinsam erörtert.

„Radikalisierung vorbeugen, Ankommen gestalten: Prävention und Deradikalisierung im Kontext Flucht“

Im Jahr 2019 gestaltete das „Beratungsnetzwerk Grenzgänger“, eine Informations- und Beratungsstelle für Familien, Institutionen und Akteure (Lehrkräfte, Fachkräfte der Sozialen Arbeit), die mit dem Thema des religiös begründeten Extremismus konfrontiert sind, eine Fachtagung zum Thema „Radikalisierung und Flucht“. Dort konnten wir den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Heimat und Heimatlosigkeit in Zeiten der Radikalisierung“ halten.  Das Beratungsnetzwerk Grenzgänger ist bei IFAK e.V. angesiedelt und arbeitet seit 2012 in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nordrhein-Westfalen. Die Fachtagung war sehr erfolgreich und es wird Anfang 2020 eine Dokumentation erscheinen, in die auch der Vortrag aufgenommen wird. Die Dokumentation kann abgerufen werden unter:

https://www.grenzgaenger.nrw/wp-content/uploads/SHORT-Dokumentation-Fachtag-Grenzga%CC%88nger-Radikalisierung-vorbeugen-Ankommen-gestalten.pdf


Schleswig-Holstein

„Erziehung zur Aufgabe – Kindheit und Extremismus“

Im November 2019 richtete die Fachstelle LIBERI, die gemeinsam mit PROvention, der Präventions- und Beratungsstelle gegen religiös begründeten Extremismus (Partner im BAMF-Netzwerk Radikalisierung) unter der Trägerschaft der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein einen Fachtag zum Thema „Erziehung zur Aufgabe – Kindheit und Extremismus“ aus. Dieser richtete sich an Fachkräfte, die bundesweit in spezialisierten Beratungsstellen arbeiten. Neben Vorträgen zu spezifischen Sozialisationsbedingungen in extremistisch geprägten Familien und der Situation und dem Umgang mit zurückgekehrten Familien aus Kriegsgebieten des sogenannten IS wurde der Blick auf Möglichkeiten zur Stärkung der Resilienz betroffener Kinder gerichtet. Gemeinsam mit einer pädagogischen Mitarbeiterin von LIBERI hat unsere Fachstelle dort einen Workshop zur psychischen Entwicklung von Kindern radikal-salafistisch beeinflusster Familien ausgerichtet und war an einem Experten-Panel beteiligt.


Bremen

„KODEX-Fachtag zum Umgang mit Rückkehrer-Familien“

Im Dezember 2019 richtete KODEX, „Kompetenzzentrum für Deradikalisierung und Extremismusprävention“, beim Innensenator Bremen, einen Fachtag zur Thematik der „Rückkehrer(familien)“ aus dem IS-Gebiet aus. Der Fachtag richtete sich einerseits an BehördenvertreterInnen, um einen ganzheitlichen Umgang mit islamistisch radikalisierten Personen voranzubringen, aber auch an Fachkräfte, die in Beratungs- und Hilfenetzwerke eingebunden werden können. Wir waren an dem Fachtag mit einem Vortrag zur psychologischen Situation von Rückkehrerinnen mit Kindern beteiligt und zur Notwendigkeit und Ansätzen psychologisch-therapeutischer Hilfen. Eine Veröffentlichung des Vortrages ist geplant.