Fachstelle Extremismus und Psychologie
Psychologisch-Therapeutisches Netzwerk

Kooperationen im Netzwerk der Beratungsstelle Radikalisierung und des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF)

Seit 2018 sind wir zudem in diverse Arbeitszusammenhänge mit Projekten des BAMF-Forschungszentrums und BAMF-Netzwerks Radikalisierung eingebunden. Darauf soll genauer eingegangen werden:

Grundlagenwissen für Heilberufe zur Identifikation von Radikalisierungsprozessen als Risiko für Taten zielgerichteter Gewalt

Das Projekt wird unter Leitung von Prof. Fegert von der Arbeitsgruppe „Gewalt, Entwicklungspsychopathologie und Forensik“ der Universitätsklinik Ulm durchgeführt und hat die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für Fachkräfte aus Heilberufen (ÄrztInnen, Psychologische PsychotherapeutInnen, Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen) zum Ziel. Wir haben uns mit einem Experteninterview beteiligt, sind seit Beginn im Wissenschaftlichen Projektbeirat vertreten, der sich jährlich trifft und das Projekt begleitet. Gemeinsam mit der Bundespsychotherapeutenkammer (Herrn Lehndorfer) vertreten wir dort insbesondere die psychologisch-psychotherapeutische Perspektive. Darüber hinaus haben wir uns beim Projektauftakt an einem Podium beteiligt. Zum Projekt gehören auch Runde Tische zu den Themen: Schweigepflicht, Vernetzung und Kindeswohlgefährdung im Kontext Radikalisierung. In Berlin haben wir in Kooperation mit dem Projekt im Januar 2019 den Runden Tisch zur „Vernetzung“ mit ausgerichtet. Anhand von idealtypischen Fallkonstellationen (die von Kerstin Sischka und Christoph Bialluch eingebracht wurden) konnten Ergebnisse zur Zusammenarbeit zwischen den Heilberufen und Akteuren der Extremismus-Prävention erarbeitet werden. Am Runden Tisch nahmen VertreterInnen der Heilberufe, zivilgesellschaftliche Träger, Kinder und Jugendhilfe, psychosoziale Notversorgung etc. teil.

International Forum on Countering Violent Islamist Extremism (InFoEx)

Seit Dezember 2018 ist Kerstin Sischka als Expertin am „International Forum for Expert Exchange on Countering Islamist Extremism (InFoEx)“ beteiligt. InFoEx ist ein gemeinsames Projekt des BAMF-Forschungszentrums und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Von 2019 bis 2020 bringt InFoEx PraktikerInnen aus der Tertiärprävention national und international mit Wissenschaftlern und ExpertInnen zusammen, um gute Praktiken zu dokumentieren und zu verbreiten. Bislang fanden vier Workshops jeweils zu internationalen Ansätzen der Tertiärprävention, psychologischen Aspekten, der Thematik der „Dschihad-RückkehrerInnen“ und Evaluation statt. Durch Moderation und in Form von inhaltlichen Impulsen haben wir uns insbesondere in die Workshops zu psychologischen Aspekten und zur RückkehrerInnenthematik eingebracht. Dabei ging es u.a. auch um die Dimension „mental health“ und die berufsrechtlichen bzw. berufsethischen Aspekte der ärztlichen und psychotherapeutischen Schweigepflicht. Die Relevanz des Themas „mental health“ in der Extremismusprävention nimmt deutlich zu, was auch an dem hohen Beratungs- und Informationsbedarf zu allen damit verbundenen Aspekten zu sehen ist.

Entwicklung eines Qualifizierungslehrgangs für Beratende im Handlungsfeld „Deradikalisierung / Beratung des sozialen Umfelds"

Seit 2018 wird durch die CANDID Foundation in Zusammenarbeit mit dem BAMF ein Qualifizierungslehrgang für BeraterInnen des BAMF-Netzwerkes Radikalisierung entwickelt. Im ersten Schritt wurden bereits vorhandene Lehr- und Lernmaterialien zusammengetragen und analysiert. Es fanden Expertendiskussionen statt und auf dieser Basis wurde ein vorläufiges Curriculum entwickelt. Im nächsten Schritt definierte das Projektteam Inhalte für die Vorbereitung eines Lehrbuchs. Durch Kooperationspartner im Netzwerk des Projektes und des BAMF wurden Lehrbuchtexte erarbeitet. Ein erstes Manuskript ist zu Ende 2019 entstanden.

In diesem Zusammenhang ist die CANDID Foundation an uns mit der Bitte herangetreten, zwei Fachartikel zu folgenden Themen beizutragen:

(a) Psychologische Beratung und

(b) PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen.

Beide Artikel stellen die Möglichkeiten sowohl von PsychologInnen wie auch von Psychotherapeutisch tätigen Heilberufen dar und gehen auf verschiedene Beratungs- und Behandlungsansätze und Kooperationsmöglichkeiten ein. Wir wurden für 2020 gebeten noch detaillierter auf psychotherapeutische Beiträge zur Deradikalisierung im Haftkontext einzugehen.